Epics & Use Cases

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Epics

Kurzdefinition:

Ein Epic ist eine große, grob geschnittene Anforderung oder ein Themenbloc in agilen Rahmenwerken (z. B. Scrum/SAFe), der so umfangreich ist, dass er in mehrere Features und User Stories zerlegt wird.

Zweck & Kontext:

  • Bündelt zusammenhängende Geschäftsziele („Outcome“).
  • Dient als Portfolio‑/Programm-Ebene für Planung, Priorisierung und Reporting.
  • Typisch in Tools wie Jira oder Azure Boards als höchste Work-Item-Ebene.

Typische Bestandteile:

  • Problem-/Nutzenbeschreibung (Business Value)
  • Abgrenzung/Scope & Nicht-Ziele
  • grobe Erfolgskriterien / Messgrößen (KPIs)
  • Abhängigkeiten & Risiken
  • Hypothesen/Annahmen
  • Zerlegung in Features/User Stories (Backlog-Slices)

Beispiel (E-Commerce):

  • Epic: „Checkout-Konversion auf Mobilgeräten steigern“
    • Features: „One-Click-Payment“, „Adress-Autovervollständigung“
    • User Stories: „Als Käufer:in möchte ich Apple Pay nutzen, um schneller zu zahlen …”

Use Cases

Kurzdefinition:
Ein Use Case beschreibt aus Sicht eines Akteurs (z. B. Nutzer:in, externes System) zielgerichtete Interaktionen mit einem System – inklusive Ablauf (Hauptszenario), Varianten, Fehlerfälle, Vor-/Nachbedingungen.

Zweck & Kontext:

  • Kommt aus der klassischen Anforderungsanalyse/Systems Engineering (UML).
  • Fokussiert End-to-End-Verhalten und Systemgrenzen.
  • Besonders nützlich für komplexe Abläufe, Compliance, Schnittstellen & Testszenarien.

Typische Bestandteile:

  • Titel & Ziel (Intent)
  • Akteure (Primär/Sekundär)
  • Trigger
  • Vorbedingungen (Preconditions)
  • Nachbedingungen (Postconditions/Erfolgskriterien)
  • Hauptszenario (Main Success Path)
  • Erweiterungen/Alternativen (Extensions/Alternate Flows)
  • Ausnahmen/Fehlerfälle
  • Geschäftsregeln & nicht-funktionale Anforderungen (optional)

Mini-Beispiel:
Use Case: „Artikel in den Warenkorb legen“

  • Akteur: Käufer:in
  • Vorbedingung: Artikel ist verfügbar
  • Trigger: Klick auf „In den Warenkorb“
  • Hauptszenario:
    1. System prüft Lagerbestand.
    2. System legt Artikel mit Menge X in Warenkorb.
    3. System zeigt aktualisierten Warenkorb an.
  • Alternativen:
    • 1a: Bestand = 0 → System zeigt Hinweis „Nicht verfügbar“.
    • 2a: Mindestmenge nicht erfüllt → Validierungsmeldung.

Der Unterschied in einem Satz

  • Epic = „Was“ auf Portfolio-/Roadmap-Ebene (groß, business‑getrieben, wird in Arbeitspakete geschnitten).
  • Use Case = „Wie“ die Interaktion abläuft (szenario‑basiert, systemfokussiert, testbar).

Wie hängen Epics & Use Cases zusammen?

  • Ein Epic kann mehrere Use Cases umfassen (oder umgekehrt: ein Use Case kann Beiträge zu mehreren Epics liefern, wenn er breit genutzt wird).
  • User Stories (agil) können Schritte/Teilziele aus Use-Case-Szenarien umsetzen.
  • Acceptance Criteria einer User Story lassen sich direkt aus Use-Case-Flows ableiten.

Wann verwende ich was?

BedarfGeeignet
Portfolio-Planung, Roadmap, Budget, Outcome-FokusEpic
End-to-End-Abläufe, Varianten/Fehlerfälle, TestsUse Case
Sprint-nahe Umsetzung, grob granular, INVEST-KriteriumUser Story (aus Epic/Use Case abgeleitet)

Häufige Stolperfallen & Tipps

  • Nicht verwechseln: Ein Epic ist kein detaillierter Ablauf – dafür sind Use Cases da.
  • Schneide Epics klein genug: Max. wenige Monate Laufzeit; sonst weiter in Capabilities/Features brechen.
  • Runde Use Cases ab: Immer Vor-/Nachbedingungen, Alternativ-/Fehlerpfade dokumentieren; sonst fehlen Testfälle.
  • Traceability: Verlinke Epic ↔ Features ↔ Stories ↔ Use Cases ↔ Tests in deinem ALM‑Tool.
  • Konsistenz: Nutze eine einheitliche Vorlage (siehe unten) – erleichtert Review & Abnahme.

Vorlagen (zum Kopieren)

Epic-Template (leichtgewichtig)

  • Titel
  • Problem/Nutzen (Why)
  • Ziel/KPI (Outcome/Erfolgskriterium)
  • Scope & Nicht-Ziele
  • Annahmen & Risiken
  • Abhängigkeiten
  • Grobe Meilensteine/Features
  • Messung/Validation Plan

Use-Case-Template (klassisch/UML-nah)

  • Titel & Ziel
  • Akteure (Primär/Sekundär)
  • Systemgrenze
  • Trigger
  • Vorbedingungen
  • Hauptszenario (nummerierte Schritte)
  • Alternativ-/Erweiterungsflüsse
  • Ausnahmen/Fehlerfälle
  • Nachbedingungen
  • Geschäftsregeln & NFA (Leistung, Sicherheit, UX …)
  • Offene Punkte

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