Diese Frage hören wir in nahezu jedem ersten Gespräch mit Interessenten. Insbesondere Hersteller von technisch anspruchsvollen Produkten gehen häufig davon aus, dass ihre Produktwelt zu komplex für einen Konfigurator ist. Die Vielzahl an Varianten, technischen Abhängigkeiten, kundenspezifischen Anpassungen und Sonderregeln erscheint auf den ersten Blick kaum beherrschbar.
Die kurze Antwort lautet: Ja, auch sehr komplexe Produkte lassen sich konfigurieren.
Die entscheidende Frage ist nicht, ob ein Produkt komplex ist, sondern ob sich die vorhandene Komplexität strukturiert beschreiben und modellieren lässt.
Komplexität ist der Normalfall, nicht die Ausnahme
Viele erfolgreiche Konfigurator-Projekte finden in Branchen statt, in denen Produkte aus hunderten oder sogar tausenden Komponenten bestehen. Maschinen- und Anlagenbau, Fördertechnik, Verpackungsmaschinen, Sonderfahrzeuge, Schaltschrankbau oder industrielle Automatisierungstechnik sind typische Beispiele.
In diesen Bereichen müssen zahlreiche technische Regeln berücksichtigt werden:
- Komponenten dürfen nur in bestimmten Kombinationen verwendet werden.
- Leistungsparameter beeinflussen die Auswahl anderer Bauteile.
- Normen und Richtlinien müssen eingehalten werden.
- Kundenanforderungen führen zu individuellen Ausprägungen.
- Preise und Lieferzeiten hängen von der gewählten Konfiguration ab.
Gerade diese Herausforderungen sind ein typisches Einsatzgebiet moderner Produktkonfiguratoren.
Der Schlüssel liegt in der Produktmodellierung
Der Erfolg eines Konfigurators hängt wesentlich von der Qualität des zugrunde liegenden Produktmodells ab.
Dabei wird das Wissen, das heute häufig nur bei einzelnen Experten, Konstrukteuren oder Vertriebsmitarbeitern vorhanden ist, in einem strukturierten Regelwerk abgebildet. Technische Zusammenhänge werden nicht mehr manuell geprüft, sondern systematisch beschrieben und automatisch ausgewertet.
Ein gut aufgebautes Produktmodell bildet unter anderem ab:
- Produktstrukturen
- technische Abhängigkeiten
- Auswahlregeln
- Berechnungslogiken
- Preisregeln
- Dokumentenlogik
- Stücklistenlogik
Damit entsteht eine digitale Wissensbasis, die unabhängig von einzelnen Personen genutzt werden kann.
Modularisierung reduziert Komplexität
Ein häufiger Irrtum besteht darin, sämtliche Produktvarianten direkt modellieren zu wollen.
In der Praxis werden komplexe Produkte meist in Module, Baugruppen und wiederverwendbare Komponenten zerlegt. Dadurch entsteht ein überschaubares Modell, das auch bei einer hohen Anzahl möglicher Endvarianten beherrschbar bleibt.
Ein Maschinenhersteller kann beispielsweise Motoren, Antriebe, Steuerungen, Sicherheitseinrichtungen und Zusatzmodule getrennt modellieren. Der Konfigurator setzt diese Bausteine anschließend automatisch zu einer technisch korrekten Lösung zusammen.
Dadurch können selbst Millionen möglicher Varianten effizient verwaltet werden.
Regelbasierte Logik sorgt für technische Sicherheit
Moderne Konfiguratoren arbeiten mit regelbasierten oder constraint-basierten Modellierungsansätzen.
Das bedeutet, dass das System technische Fehler bereits während der Konfiguration verhindert. Unzulässige Kombinationen werden automatisch ausgeschlossen oder passende Alternativen vorgeschlagen.
Für Anwender entsteht dadurch ein wichtiger Vorteil:
Sie müssen nicht sämtliche technischen Zusammenhänge kennen, um ein korrektes Angebot zu erstellen.
Gerade im Vertrieb führt dies zu einer deutlichen Entlastung. Die Abhängigkeit von Produktexperten sinkt und gleichzeitig steigt die Qualität der erzeugten Angebote.
Guided Selling macht Komplexität beherrschbar
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Benutzerführung.
Die Komplexität eines Produkts muss nicht zwangsläufig für den Anwender sichtbar sein. Moderne Konfiguratoren führen den Nutzer Schritt für Schritt durch den Auswahlprozess.
Statt hunderte Parameter gleichzeitig anzuzeigen, werden nur die Informationen abgefragt, die in der jeweiligen Situation relevant sind.
Dieser Guided-Selling-Ansatz bietet mehrere Vorteile:
- schnellere Angebotserstellung
- geringerer Schulungsaufwand
- weniger Fehlkonfigurationen
- bessere Benutzerakzeptanz
- höhere Abschlussquoten
Der Anwender konzentriert sich auf die Kundenanforderung, während der Konfigurator die technische Komplexität im Hintergrund verarbeitet.
Komplexe Produkte konfigurieren benötigt oft Integrationen
Bei technisch anspruchsvollen Produkten reicht die reine Konfiguration häufig nicht aus.
Oft müssen weitere Systeme eingebunden werden, beispielsweise:
- ERP-Systeme
- CAD-Systeme
- PDM- oder PLM-Lösungen
- CRM-Systeme
- Kalkulationssysteme
- Dokumentengeneratoren
Ein moderner Konfigurator kann dabei als zentrale Instanz fungieren, die Informationen zwischen den beteiligten Systemen austauscht und konsistente Ergebnisse erzeugt.
So entstehen aus einer einzigen Konfiguration automatisch Angebote, technische Dokumentationen, Zeichnungen, Stücklisten und Fertigungsinformationen.
Wann wird ein Produkt schwierig zu konfigurieren?
Nicht die Komplexität selbst ist die größte Herausforderung.
Schwieriger wird es, wenn Produktwissen nur informell vorhanden ist oder Regeln nicht eindeutig definiert wurden. Häufig zeigt ein Konfigurator-Projekt erstmals auf, welche Zusammenhänge bislang lediglich in den Köpfen einzelner Mitarbeiter existieren.
Die eigentliche Aufgabe besteht dann darin, dieses Wissen zu strukturieren, zu dokumentieren und in ein konsistentes Regelwerk zu überführen.
Ist dieser Schritt geschafft, lassen sich selbst hochkomplexe Produkte erfolgreich konfigurieren.
Fazit: Wie Komplexe Produkte konfigurieren?
Die Frage sollte nicht lauten: „Ist unser Produkt zu komplex für einen Konfigurator?“
Die bessere Frage lautet: „Wie können wir unsere Produktkomplexität sinnvoll modellieren?“
Mit einer durchdachten Produktstruktur, regelbasierter Logik, intelligenter Benutzerführung und den passenden Systemintegrationen lassen sich auch sehr komplexe Produktwelten erfolgreich digitalisieren. Moderne Technologien und Frameworks ermöglichen heute Konfigurationslösungen, die noch vor wenigen Jahren als nicht realisierbar galten.
Komplexität ist daher kein Ausschlusskriterium für einen Produktkonfigurator. Oft ist sie sogar der wichtigste Grund, einen einzuführen.